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Auschwitz Gedenktag
Staatsbesuch des Israelischen Präsidenten Schimon Peres und Zeitzeugengespräch mit Professor Meir Schwarz
Professor Meir Schwarz über die „Nacht, in der die Synagogen brannten“
Anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 fanden zahlreiche Gedenkveranstaltungen, Sonderausstellungen sowie Zeitzeugengespräche in Berlin, Deutschland und der ganzen Welt statt. Schüler/innnen des Beruflichen Gymnasiums am OSZ Bürowirtschaft und Verwaltung hatten die Gelegenheit, an einem Zeitzeugengespräch in der Gedenkstätte „Deutscher Widerstand“ teilzunehmen. Professor Meir Schwarz, Vorsitzender des Vereins „Synagogues Memorial and Beit Ashkenaz“, berichtete von seinen Erlebnissen und stand uns Rede und Antwort.
Er erzählte, dass er in der Pogromnacht am 9. November 1938 gerade einmal 13 Jahre alt war. Er war mit seinem Bruder in Nürnberg allein zu Hause, da sein Vater bereits ein Jahr zuvor von den Nationalsozialisten ermordet wurde, seine Mutter lag in einem Krankenhaus. Er sagte, dass er die Synagoge in Nürnberg mit seinen eigenen Augen brennen gesehen habe. Am darauf folgenden Morgen des 10. Novembers, sagte Meir Schwarz, läutete die Türklingel schrill und ohne Unterbrechung. Dumpfe, starke Schläge gegen die Tür, Schreie und regelrechtes Gebrüll waren zu hören: „Aufmachen, sofort Aufmachen!“ Noch heute, mehr als 70 Jahre danach, dröhnen diese Worte in seinen Ohren. Was daraufhin folgte, war in Deutschland kein Einzelfall: Die Männer der SA drangen in die Wohnung ein und zerstörten, zerrissen und zerbrachen alles, was sie in der Wohnung finden konnten.
Wenig später nach diesem schrecklichen Erlebnis hatte Meir Schwarz das „Glück“, einen Platz in einem der Kindertransporte nach Palästina zu bekommen. Die Nationalsozialisten verschickten bis 1939 Kinder unter 14 Jahren. „Glück“, das seine Familie nicht hatte. Denn, wie uns Meir Schwarz berichtete, starb seine Mutter an einem „Medikamentenmangel“ in einem jüdischen Krankenhaus in Deutschland und sein älterer Bruder wurde einige Jahre nach der Pogromnacht nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
1988 kehrte er nach Nürnberg, den Ort seiner Jugend, zurück. Als er sich dem Platz näherte, an dem früher die Synagoge stand, stellte er mit Erschrecken fest, dass sich genau an diesem Ort eine Tankstelle befand. Keine Gedenktafel vor Ort, kein Zeichen erkennbar, dass die Synagoge jemals existierte. Professor Schwarz fuhr nach Israel zurück und schrieb ein Buch über die Nürnberger Synagoge („Die Synagoge, die nicht existierte“), gründete den Verein „Synagogues Memorial and Beit Ashkenaz“ und sorgte mit viel Engagement bei den Nürnberger Stadtvätern dafür, dass an dem Standort der früheren Synagoge eine Mahntafel angebracht wurde.
Sehr wichtig war Meir Schwarz, dass die heutige Jugend Informationen über die NS-Zeit nicht einfach hinnimmt, sondern die Dinge kritisch hinterfragt. Dies verdeutlichte er uns an folgendem Beispiel: Er sagte, dass in der Pogromnacht nach Angaben zahlreicher deutscher Geschichtsbücher 191 Synagogen zerstört und 96 Juden ermordet wurden. Sein Verein „Synagogues Memorial and Beit Ashkenaz“ fand nach Recherchen allerdings heraus, dass 1550 Synagogen niedergebrannt und 2500 Juden ermordet wurden.
Tina Walther (Lk Deutsch), Feb. 2010
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Der Israelische Staatspräsident Schimon Peres:
„Die Jugend muss sich erinnern, darf nicht vergessen und muss wissen,was geschehen ist. Sie darf niemals, wirklich niemals, an etwas anderes glauben, sich andere Ziele setzen als Frieden, Versöhnung und Liebe.“
(Auszug aus der Gedenkrede im Deutschen Bundestag, 27. Januar 2010)
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