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Sally Perel zum zweiten Mal am OSZ Bürowirtschaft und Verwaltung
Bericht von einem Zeitzeugengespräch am 28. Juni 2010
Sally Perel, eigentlich Salomon Perel, wurde am 21. April 1925 in Peine, in der Nähe von Braunschweig, geboren. Er sei, wie er sagt, ein „Volljude“, der in der Zeit des Nationalsozialismus als Hitlerjunge den Zweiten Weltkrieg überlebte und somit einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen ist.
In seinem Bericht vor den rund 100 Schülerinnen und Schülern des OSZ erzählt er über seine Zeit als Hitlerjunge, in der er eine Spaltung in zwei Seelen beobachten konnte. Die eine war Sally, der jüdische Junge, dessen Eltern von den Nazis in ein Ghetto in Lodz eingesperrt wurden. In diesem Ghetto lebten noch weitere jüdische Familien mit ihren Kindern und was mit ihnen dort passierte, war im Grunde jedem klar: Sie kamen leicht ins Ghetto hinein, aber keiner von ihnen würde es je wieder lebend verlassen.
Die andere Hälfte seiner Seele war der Hitlerjunge Josef, für den er sich ausgab, um nicht sterben zu müssen. Sally Perel berichtete, dass er in seiner Zeit als Hitlerjunge nie auf jemanden geschossen habe, doch dass die Jugendlichen zu so viel Hass gegenüber den Juden erzogen wurden, dass es möglich wurde, sie zu manipulieren, und zwar so zu manipulieren, dass die Jugendlichen diesen Massenmord und diesen Hass noch nicht einmal ansatzweise kritisch betrachteten. Auch Sally Perel fing an sich selbst zu hassen. Er fragte sich, warum gerade er ein Jude sein musste, warum er nicht auch zu den Deutschen gehören konnte, die doch alle so nett zu ihm waren.
Doch dann erinnerte er sich an die Worte seines Vaters. Kurz bevor seine Eltern ins Ghetto zogen, trennten sie sich von ihm und seinem Bruder, um so die Chance zu vergrößern, dass beide überleben. Der Vater sagte zu ihm: „Junge, vergiss nie, wer du bist, du bist Jude.“ Doch er konnte sich nicht als Jude zu erkennen geben und sterben, denn er dachte an seine Mutter, die sich mit den Worten verabschiedete: „Sally, du sollst leben.“ Diese Worte gaben ihm, so Sally Perel, eine unglaubliche Kraft, das alles durchzustehen.
Herr Perel berichtete auch über Auschwitz, den Ort des Schreckens. Das größte Vernichtungslager zur Zeit des Nationalsozialismus. Auschwitz gilt als das Symbol für den Holocaust, sagte Perel. Als die schlimmste Tragödie der Menschheit, als ein Ort, der das jüdische Volk nie loslassen würde, weil er viel zu tief im Gewebe sitzt. Hier starben 1,1 Millionen Menschen. 1 Million Juden und 100000 Menschen, die keinen jüdischen Hintergrund hatten, die jedoch für die Nazis als ebenso wenig „lebenswert“ galten. Diese Menschen waren behindert, homosexuell, Zeugen Jehovas, Zigeuner oder „Schwererziehbare“.
Sally Perel fragt sich noch heute, wie Menschen dazu fähig sein können, solch schlimmer Taten zu begehen. Ganz normale Menschen, mit Frauen und Kindern, mit einem Kätzchen oder einem Hündchen zu Hause, sind zu so etwas im Stande. Gerade das sei so erschreckend, findet Perel, weil sie Menschen sind, wie du und ich.
In jedem Zeitzeugenbericht erwähne er die Kinder und die Säuglinge, die vergast und verbrannt wurden und deren Asche noch immer an diesen furchtbaren Orten sei. Als er die kleinen aufgestapelten Kinderschuhe in Auschwitz gesehen hatte, habe er sich geschworen, über sie zu erzählen. Über ihr Schicksal zu berichten, über Kinder, die sich nicht aussuchen können, zu wem sie gehören, was sie sind oder wer ihre Eltern sind. Keiner von uns könne sich aussuchen, wer er ist oder wie er aussieht.
Zum Abschluss sagte Sally Perel, dass im Zeiten Weltkrieg 56 Millionen Menschen gestorben seien und dass es auch heute wieder Jungendliche gebe, die mit Springerstiefeln herumlaufen und nazistische Parolen schreien, ist für ihn unvorstellbar.
Deswegen, sagte er, sei es an uns, kritisch zu denken und eine Tragödie wie diese zu verhindern. Er ernennt uns Zuhörer zu neuen Zeitzeugen. Da er und die noch wenigen lebenden Zeitzeugen nicht mehr viel Zeit hätten, seien wir nun dafür verantwortlich, unseren Kindern und unseren Kindes Kindern über die schrecklichen Ereignisse aus dem Zweiten Weltkrieg zu erzählen, damit sie die Wahrheit kennen und es kein zweites Mal passiert.
Nachdem er über sein Leben berichtet hatte und alle Teilnehmer sichtlich betroffen den Raum verließen, kam ein Mädchen weinend zu ihm und sagte: „Herr Perel, bitte verzeihen Sie unserer Generation, was passiert ist. Es tut mir so leid. Ich bin Deutsche und Christin und ich möchte Sie um Verziehung bitten, für das, was passiert ist.“ Sally Perel erwiderte jedoch, dass er ihr nicht verzeihe, weil er ihr nichts zu verzeihen habe. Sie trüge keine Schuld für das, was passiert war. Sollte so etwas allerdings noch einmal passieren, so Perel, und die Jugend würde die Augen wieder verschließen und nicht in Frage stellen, was passiert und sich dem anschließen, würde er dieser Generation niemals verzeihen.
Jetzt sei es an uns, tolerant gegenüber den anderen zu sein. Denn schließlich könne niemand etwas dafür, als was er geboren wird oder von wem er wie erzogen wird. Auch heute noch sei viel Hass zwischen den Ausländern und den Deutschen. Vielleicht sollte man auch diesen Hass einmal kritisch überdenken und versuchen, den anderen zu akzeptieren und so zu behandeln, wie man selbst gerne behandelt werden möchte.
Alexandra Kusch (Berufliches Gymnasium, 2. Semester)
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